Weitere Meldungen
Zoll gibt 20.000 Cannabissamen an Dutch Passion zurück
07.10.2025 | Anfang August 2025 hatte der niederländische Anbieter Dutch Passion eigenen Angaben zufolge eine Lieferung von 20.000 Cannabissamen für den deutschen Markt auf dem Weg nach Düsseldorf – bestimmt für legale Heimanbauer im Rahmen des Cannabisgesetzes. Die Sendung sei in Kaldenkirchen beschlagnahmt worden, doch Dutch Passion habe Einspruch eingelegt – mit Erfolg. Am 10. September habe die Staatsanwaltschaft Krefeld entschieden, dass die Samen rechtmäßig eingeführt worden seien und zurückgegeben werden müssten. Fünf Tage später habe das Hauptzollamt Krefeld den Beschluss bestätigt. Die Rückgabe der Lieferung verdeutliche, dass Cannabissamen in Deutschland nicht länger als Schmuggelware gälten, sondern Teil eines legalen Systems seien. Dutch Passion sprach von einem „symbolischen Moment“ und einem „Sieg für Verbraucherrechte“. Der Vorgang stärke die Rechtssicherheit für private Anbauer.
Meldungen aus den Bundesländern
NRW: Knapp 100 Cannabis-Clubs offiziell genehmigt
14.10.2025 | In Nordrhein-Westfalen sollen inzwischen 97 Anbauvereinigungen für Cannabis eine Genehmigung erhalten haben, so berichtet ntv. Wie eine dpa-Umfrage ergab, seien noch 77 weitere Anträge in Prüfung. In Köln seien bisher 25, in Düsseldorf 27, in Arnsberg 21, in Münster 13 und in Detmold 11 Vereinigungen genehmigt worden. Zurückgezogene oder abgelehnte Anträge blieben die Ausnahme.
Die Landesregierung lasse derzeit die Auswirkungen der Teillegalisierung prüfen. Erste Ergebnisse hätten gezeigt, dass der Schwarzmarkt bislang kaum zurückgegangen sei. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) habe zugleich auf einen angeblich „besorgniserregenden Anstieg von Gesundheitsstörungen“ hingewiesen.
Aktuelle Zahlen zur Genehmigung finden Sie auf Seite der BCAv.
Baden-Württemberg: Geplante Cannabis-Plantage spaltet Dorfgemeinschaft in Balingen-Ostdorf
02.10.2025 | In der Balinger Ortschaft Ostdorf sorge der geplante Anbau von Cannabis durch den Verein „Zollernalb Züchter“ für Aufsehen, so berichtet die Schwäbische. Der im Mai gegründete und im August offiziell eingetragene Verein wolle laut Medienberichten in einer umgenutzten Scheune Cannabispflanzen für den Eigenbedarf seiner Mitglieder anbauen. Ortsvorsteher Helmut Haug erklärte, die Kommune könne das Projekt nicht verhindern, da es dem geltenden Baurecht und dem Konsumcannabisgesetz entspreche. Die Mitglieder hätten offenbar alle rechtlichen und organisatorischen Vorgaben erfüllt. Dennoch habe der Ortschaftsrat nach intensiver Diskussion mit fünf zu zwei Stimmen bei vier Enthaltungen gegen die Nutzungsänderung votiert – ein „Zeichen“, wie Haug sagte.
Kritiker hätten befürchtet, der Anbau senke die Hemmschwelle für den Einstieg in den Drogenkonsum. Ortschaftsrat Martin Raff, zugleich Polizeisprecher in Reutlingen, habe auf Berichte verwiesen, wonach das Ziel der Cannabisteillegalisierung – die Eindämmung des Schwarzmarkts – bislang nicht erreicht worden sei. Befürworter hätten hingegen argumentiert, wer konsumieren wolle, könne dies ohnehin tun – legal oder illegal. Ein Ratsmitglied habe zudem auf die gesellschaftliche Akzeptanz von Alkohol verwiesen und den Vergleich gezogen: „Das Alkoholproblem in unserer Gesellschaft dürfte wohl größer als das Drogenproblem sein.“
Der Fall in Ostdorf verdeutlicht, wie emotional die Umsetzung der Teillegalisierung vor Ort verlaufen kann.
Niedersachsen: Cannabis-Clubs im Behördenstreit - Zwischen Vereinsrecht und Gartenbau
11.10.2025 | Die rechtliche Umsetzung des Cannabisgesetzes sorgt weiter für Spannungen zwischen Behörden und Anbauvereinigungen, so berichtet zdfheute. Der Cannabis Social Club (CSC) Niedersachsen (eine Anbauvereinigung mit Sitz im Landkreis Friesland) stehe laut Medienberichten kurz vor dem Aus, nachdem das zuständige Bauordnungsamt den Betrieb in einem Wohngebiet untersagt habe. Die Behörde werte den Verein demnach nicht als klassischen Verein, sondern als Gartenbaubetrieb – und damit als nicht genehmigungsfähig.
Club-Geschäftsführer Hendrik Borchers habe erklärt, man habe hohe Summen investiert und fühle sich nun „in seiner Existenz bedroht“. Gespräche mit Stadt und Landkreis hätten bislang keine Lösung gebracht. Beobachter vermuteten, dass die Kommune grundsätzlich keinen Cannabisverein in der Nachbarschaft wolle.Auch in Brandenburg gebe es laut ZDF ähnliche Schwierigkeiten. Der Verein „Oderblüten“ in Frankfurt (Oder) habe zunächst keine Genehmigung für eine Halle im Gewerbegebiet erhalten, weil er keinen Gewinn erziele. Inzwischen solle der Anbau in einem Mischgebiet stattfinden.
Fachanwältin Marie Werner, die den CSC Niedersachsen vertrete, halte die Einstufung als Gartenbaubetrieb für zu eng. Es gebe keine Werbung, keinen Publikumsverkehr und keine gewerbliche Struktur, weshalb der Club nicht von anderen Vereinen zu unterscheiden sei. Da das Konsumcannabisgesetz juristisches Neuland darstelle und keine bundeseinheitlichen Leitlinien existierten, öffneten sich laut Werner erhebliche Spielräume. Wenn die Behörden diese sachgerecht nutzten, könne vieles für eine Genehmigungsfähigkeit der Vereine sprechen. Der Fall verdeutliche, wie unterschiedlich die Auslegungspraxis in den Bundesländern derzeit ausfalle.
Hamburg-Neuengamme: Beschwerden über Cannabisgeruch
05.10.2025 | Im Hamburger Stadtteil Neuengamme gebe es laut NDR vermehrt Beschwerden über Geruchsbelästigungen durch nahegelegene Cannabis-Treibhäuser. Mehrere Anwohner hätten sich seit September beim Bezirksamt Bergedorf gemeldet und den Geruch als „unzumutbar“ bezeichnet – insbesondere bei warmem Wetter und geöffneter Lüftung der Gewächshäuser.
Nach Angaben des Bezirksamts seien vier offizielle Hinweise eingegangen. Mitarbeiter hätten die Anlage inzwischen überprüft und wollten demnächst Gespräche mit den Betreiberinnen und Betreibern des betroffenen Anbauvereins sowie den Anwohnenden führen.
Bereits im Sommer habe es eine Unterschriftenliste mit mehr als 30 Unterzeichnern gegeben, die bemängelten, der Anbau erfolge zu nah an Wohnhäusern. Im Bezirk Bergedorf seien bislang drei Cannabis-Clubs genehmigt worden, deren genaue Standorte jedoch nicht veröffentlicht würden. Ob es dort auch Beschwerden wegen Gerüchen anderer Pflanzen gab, ging aus der Meldung nicht hervor.
Bayern blockiert Cannabis-Clubs – Anbau weiterhin untersagt
29.09.2025 | Kein anderes Bundesland gehe so restriktiv gegen Cannabisclubs vor wie Bayern, so berichtet BR24. Obwohl acht Vereine offiziell genehmigt seien, dürften sie derzeit faktisch weder anbauen noch Cannabis an ihre Mitglieder ausgeben. In Buttenheim im Landkreis Bamberg habe Martin Pley, promovierter Chemiker und Vorsitzender des laut dem Bericht einzigen oberfränkischen Cannabisclubs, eine siebenjährige Anbaugenehmigung erhalten und mehrere zehntausend Euro in Sicherheitstechnik investiert. Kurz nach Beginn des Anbaus hätten jedoch die Landratsämter eingeschritten und den Betrieb wegen baurechtlicher Auflagen untersagt. Nach Auffassung des Freistaats dürften Cannabisvereine dem BR zufolge nur in eigens ausgewiesenen „baurechtlichen Sondergebieten“ produzieren – diese gebe es bislang jedoch nicht. Das bayerische Bauministerium habe die Halle lediglich für die Lagerung von Nutzhanf genehmigt. Pley habe gegen die Untersagung geklagt, die Klage aber später zurückgezogen, da das Verfahren Jahre dauern könnte. Seine bereits geernteten Cannabispflanzen müsse er vernichten. Auch andere Vereinsvorsitzende, wie Emilio Fischer aus Unterfranken, kritisierten den harten Kurs. Man habe den Eindruck, es solle gezielt ein Scheitern der Legalisierung herbeigeführt werden, um den Schwarzmarkt als Folge darzustellen.
Das bayerische Gesundheitsministerium halte dagegen, das Cannabisgesetz gefährde die innere Sicherheit, fördere den Schwarzmarkt und erhöhe den Konsum. Ministerin Judith Gerlach (CSU) bezeichnete das Gesetz als „schweren Fehler“ und „abschaffungswürdig“. Bis zum erwarteten Zwischenbericht des Bundesbauministeriums im Oktober bleibe die Situation unverändert: Cannabis sei zwar legal, dürfe in Bayern von Anbauvereinen jedoch weiterhin nicht angebaut werden. Der BR hat hierzu ein Videobeitrag auf Youtube hochgeladen.
Thüringen: Cannabis-Abgabe in Jena verzögert sich wegen Spielplatz-Streit
16.09.2025 | Die geplante Abgabe von Cannabis durch den Cannabis Social Club Jena könnte sich verzögern, da das zuständige Landesamt die Distanz zu einerSitzkugel und einem Spielgerät als zu gering einstufen würde, so berichtet MDR. Diese würden als Spielplatz gelten, weshalb die Abgabestelle nach Angaben des Amts mindestens 200 Meter entfernt liegen müsse. Die aktuelle Entfernung betrage jedoch nur 198 Meter.
Der Club habe das Amt aufgefordert, die Strecke auf 201 Meter anzupassen. Der Kommunalservice Jena stufe die Kugeln und das Gerät hingegen nicht als Spielplatz ein. Sollte das Amt zustimmen, könnte die Abgabe nach eigenen Angaben schon in der kommenden Woche beginnen.
Der Start des Clubs sei ohnehin holprig verlaufen: Die erste Ernte musste verschimmelt entsorgt werden, zudem sei der Vorstand nach mutmaßlichen finanziellen Unregelmäßigkeiten zurückgetreten.
NRW: Hohe Hürden für Cannabis-Clubs auch in Mönchengladbach
12.09.2025 | In Mönchengladbach könnten nach Angaben von Verantwortlichen rund 50 Prozent der Cannabis-Anbauvereinigungen schon bei der Gründung wieder aufgeben, da die gesetzlichen Auflagen und bürokratischen Hürden hoch seien, so berichtet die Rheinische Post. Für die Registrierung müssten Vereine häufig sechsstellige Beträge investieren, unter anderem für Anbau, Notare, Rechtsberatung und Sicherheitskonzepte, obwohl kein Gewinn erzielt werden dürfe. Lautdem Dachverband Mariana gebe es in der Stadt derzeit mindestens einen aktiven Club mit rund 200 Mitgliedern.
Berlin: Vereine kämpfen mit Bürokratie
18.09.2025 | In Berlin könnten die Cannabis-Anbauvereine nach Darstellung von Beteiligten vor großen Hürden stehen, so berichtet die taz. Vorstände kritisierten auf einer Podiumsdiskussion, dass zahlreiche Auflagen, insbesondere Abstandsregeln zu Schulen und Jugendzentren, die Anmietung geeigneter Standorte erschwerten. Die Umsetzung des 160-seitigen Gesetzes sei aufwendig und müsse ehrenamtlich erfolgen. Zudem sei der Zugang zu Cannabis über Onlineplattformen und Apotheken deutlich einfacher als über Vereine, was die Arbeit der Clubs erschwere.
Vertreter wie Klaus Lederer (Die Linke) wiesen zudem auf Widersprüche hin: Werbeverbote für Vereine, aber nicht für Telemedizin, würden die Sichtbarkeit verantwortungsbewusster Angebote erschweren. Jana Halbreiter von der Anbauvereinigung Green Leaf Society betonte, dass Bürokratie und fehlende pragmatische Lösungen das Wachstum der Vereine bremsen könnten.
Anbauvereinigungen: Mindestens 759 Anträge deutschlandweit eingereicht, mindestens 337 bewilligt
Seit dem 1. Juli können Anbauvereinigungen in Deutschland Lizenzen für den Eigenanbau von Cannabis beantragen. Auf der Webseite des BCAv bieten wir eine kostenfreie Mustersatzung zum Download an, die in der Praxis anerkannt ist und Antragsproblemen vorbeugen soll. Zudem dokumentieren wir die aktuellen Antragszahlen der Bundesländer. Die oben angegebene Gesamtzahl der Anträge und Bewilligungen kann von der Summe der untigen Länderangaben abweichen, da die aktuellsten Zahlen aus den einzelnen Ländern teils noch nicht öffentlich sind.
| Bundesland |
Anträge |
Genehmigungen |
Ablehnungen |
Zurückgezogen |
Stand |
| Baden-Württemberg |
110 |
26 |
5 |
7 |
07.10.2025 |
| Bayern |
43 |
8 |
3 |
15 |
18.09.2025 |
| Berlin |
31 |
11 |
3 |
5 |
08.08.2025 |
| Brandenburg |
33 |
20 |
4 |
3 |
07.10.2025 |
| Bremen |
7 |
2 |
0 |
1 |
08.10.2025 |
| Hamburg |
24 |
13 |
1 |
1 |
07.10.2025 |
| Hessen |
39 |
12 |
0 |
|
11.08.2025 |
| Mecklenburg-Vorpommern |
13 |
3 |
1 |
|
11.08.2025 |
| Niedersachsen |
121 |
68 |
12 |
1 |
07.10.2025 |
| Nordrhein-Westfalen |
184 |
93 |
1 |
16 |
07.10.2025 |
| Rheinland-Pfalz |
50 |
27 |
2 |
2 |
30.07.2025 |
| Saarland |
8 |
1 |
1 |
|
07.10.2025 |
| Sachsen |
32 |
21 |
0 |
1 |
07.10.2025 |
| Sachsen-Anhalt |
23 |
15 |
0 |
1 |
07.08.2025 |
| Schleswig-Holstein |
17 |
3 |
2 |
6 |
21.08.2025 |
| Thüringen |
15 |
6 |
2 |
0 |
07.10.2025 |
| Summe |
759 |
337 |
33 |
59 |
|
|