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und Cannabis Social Clubs
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Evaluierungsbericht: Teillegalisierung entlastet Justiz, Schwarzmarkt bleibt Hauptproblem


Dem ersten Zwischenbericht zur wissenschaftlichen Evaluation des Konsumcannabisgesetzes (EKOCAN) zufolge würden etwa 12 bis 14 Prozent des gesamten Cannabisbedarfs über Medizinalcannabis aus Apotheken gedeckt, während weniger als 0,1 Prozent aus Anbauvereinigungen stamme, so berichtet rbb24. 16,8 Prozent der Konsumierenden hätten laut Erhebung Cannabis zumindest zeitweise aus Apotheken bezogen. Der Cannabiskonsum bei Jugendlichen sei weiter rückläufig, bei Erwachsenen werde lediglich ein leichter Anstieg im bisherigen Trend festgestellt, so berichtet die Zeit. Gleichzeitig seien Straftaten im Zusammenhang mit Cannabis um bis zu 80 % zurückgegangen, so berichtet LTO.

Allerdings habe sich die Hoffnung, dass Anbauvereinigungen den Markt versorgen könnten, bislang nicht erfüllt. Diese trügen kaum zur Deckung des Bedarfs bei, während der Schwarzmarkt nach wie vor dominierend bleibe. Die Forscher betonten zudem, dass belastbare Langfristaussagen zur Entwicklung des Konsums und zu gesellschaftlichen Folgen erst im Jahr 2028 möglich seien. 

Der Branchenverband Cannabiswirtschaft (BvCW) begrüßt die laufende wissenschaftliche Begleitung und fordert die Fortsetzung der Datenerhebung bis zum Abschluss im April 2028. Ebenso wie die Forscher sieht der Verband Handlungsbedarf bei der Entbürokratisierung von Anbauvereinigungen. Hierzu hat die Bundesarbeitsgemeinschaft Cannabis-Anbauvereinigungen (BCAv) ein 19 Punkte umfassendes Positionspapier erstellt. Zudem spricht sich der BvCW für wissenschaftlich begleitete Modellprojekte zur regulierten Cannabisabgabe, sowie für die Abschaffung der sogenannten “Rauschklausel” bei Industriehanf aus und für eine klare rechtliche Definition des Begriffs „Steckling“ ein. Die Pressemitteilung & Stellungnahme des BvCW finden Sie hier.

Der Bundesverband pharmazeutischer Cannabinoidunternehmen (BPC) betonte die Bedeutung der Evaluation für eine faktenbasierte Politik. Vorstandsvorsitzende Antonia Menzel erklärte, entscheidend seien „Versorgungssicherheit, Patientenschutz und die Weiterentwicklung der Therapieoptionen“. Zugleich müsse der Abschlussbericht 2028 abgewartet werden, bevor weitreichende Reformen erfolgen könnten.

Grünhorn-CEO Stefan Fritsch wertete die Ergebnisse als Beleg für den Erfolg der Teillegalisierung: weniger Straftaten, stabiler Jugendschutz und keine gesundheitlichen Verschlechterungen. Er kritisierte jedoch die geplanten Einschränkungen im Medizinalbereich, etwa das Verbot telemedizinischer Verordnungen, als „rückschrittlich und patientenfeindlich“.  SYNBIOTIC SE zeigte sich in einer Pressemitteilung nach der positiven Zwischenbewertung des Cannabisgesetzes optimistisch. Geschäftsführer Daniel Kruse erklärte, die bisherigen Ergebnisse widerlegten Befürchtungen um Jugend- und Verkehrsschutz Die weiteren Reaktionen auf die Ergebnisse fielen unterschiedlich aus. LEAP Deutschland wertete den Bericht als Bestätigung für eine faktenbasierte Drogenpolitik und forderte den konsequenten Ausbau legaler Märkte. Auch der Deutsche Hanfverband habe sich für klarere Regeln und zusätzliche legale Abgabewege ausgesprochen. Die Sanity Group kritisierte, dass Cannabis-Clubs bislang weniger als 0,1 % des Gesamtbedarfs deckten, und plädierte für Pilotprojekte mit Fachgeschäften, um den Schwarzmarkt zurückzudrängen.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Carmen Wegge hat den ersten Zwischenbericht zur Cannabis-Teillegalisierung in einem Statement als Bestätigung des eingeschlagenen Kurses gewertet. Wegge erklärte, die Entkriminalisierung von Konsumierenden, der Ausbau präventiver Maßnahmen und die Entlastung von Polizei und Justiz habe sich bewährt. Der Rückgang der Meldungen an Jugendämter und eine stabile Verkehrssicherheitslage belegten aus ihrer Sicht, dass eine kontrollierte Abgabe den Kinder- und Jugendschutz besser gewährleistet als Verbote.

Wie die Tagesschau berichtet, bewertete die Union die Teillegalisierung weiterhin kritisch. Sie habe von Beginn an vor steigenden Gesundheitsrisiken, zusätzlicher Bürokratie und wachsender Unsicherheit für Polizei und Justiz gewarnt. Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) hat sich bereits unmittelbar vor der Veröffentlichung des ersten EKOCAN-Zwischenberichtes für die vollständige Abschaffung des Cannabisgesetzes ausgesprochen, so berichtet Deutschlandfunk. Den Link zur Aufzeichnung aus der Bundespressekonferenz finden Sie hier.

CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann sprach von einem „Bärendienst für Jugendschutz und Verkehrssicherheit“, während der Drogenbeauftragte Hendrik Streeckmehr Klarheit und Durchsetzbarkeit“ im Gesetz forderte, so berichtet das Ärzteblatt. Er warnte vor einer steigenden Zahl akuter Gesundheitsstörungen und einem zu laschen Umgang mit Besitz- und Anbauregeln. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) nannte die bisherigen Daten „bedenklich“ und kündigte an, mit den Sicherheitsbehörden über mögliche Nachschärfungen zu beraten, so berichtet die Pharmazeutische Zeitung. Auffällig sei, dass frühere politische Gegner der Reform – etwa CSU-Chef Markus Söder – das Thema inzwischen weitgehend ruhen ließen, so berichtet die Zeit. So habe Söder das Gesetz früher als „dämlich“ bezeichnet und mit dem „Cannabisfolgenbegrenzungsgesetz“ eine bayerische Gegeninitiative gestartet, würde sich nun aber zurückhaltend äußern. Auch andere Parteien wie die AfD würden auf kulturkämpferische Töne verzichten.

Aktivitäten

BCAv-Webinar zu Stecklinge, Jungpflanzen & KCanG: Ein Rechts-Update für Anbauvereinigungen

Ein von der BCAv veranstaltetes Webinar beleuchtete am 09.10.2025 die rechtlichen Aspekte des Cannabisanbaus in Deutschland sowie Einblicke in die finanziellen und regulatorischen Herausforderungen. Cannabisanwalt Kai-Friedrich Niermann sprach über die Einhaltung von Gesetzen bei Cannabissämlingen. Moderiert wurde die gut besuchte Veranstaltung ein von BCAv-Koordinator Lorenz Minks. Die Aufzeichnung ist nun auf Youtube abrufbar. 



BCAv-Webinar zur Diskussion des BCAv-Positionspapiers - 19 Baustellen im Cannabisgesetz

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Cannabis-Anbauvereinigung (BCAv) stellte im Rahmen eines Webinars ihr neues Positionspapier zur Diskussion, das zentrale Verbesserungsbedarfe für Anbauclubs auflistet. Unter dem Titel „Die 19 Baustellen des KCanG“ bündelt es Reformforderungen und verweist auf Probleme u.a. bei Bauvorschriften, Qualitätskontrollen und der uneinheitlichen Umsetzung in den Bundesländern. 



BvCW-Fachkonferenzvideos mit Keynotes veröffentlicht

Im Rahmen der vom Branchenverband Cannabiswirtschaft e.V. (BvCW) organisierten Fachkonferenz bei der Mary Jane Hanfmesse in Berlin fanden am 21. und 22. Juni 2025 zwei politische Keynotes statt. Henry Wieker (BCAv / CBG Hannover) sprach in der Keynote „Anbauvereinigungen als Säule der Cannabisversorgung – Bilanz und Perspektiven“ über die Rolle der Clubs in der praktischen Umsetzung des Cannabisgesetzes. Zudem gab Georg Wurth (Deutscher Hanfverband) in einem Vortrag einen Überblick über die aktuelle politische Lage und die künftigen Herausforderungen der deutschen Cannabispolitik.

Umfrage des Monats

Welche Rechtsschutzversicherungen haben Cannabis-Anbauvereinigungen Versicherungsschutz gewährt, welche haben diesen abgelehnt?

Die Beantwortung der Frage dauert wenige Sekunden und hilft uns, ein nicht repräsentatives Meinungsbild zu erstellen. Die Teilnahme erfolgt anonym. Wir bedanken uns herzlich bei allen, die an der Beantwortung teilnehmen. Das Ergebnis veröffentlichen wir im nächsten Newsletter.

Silent Conference überzeugt die Branche noch nicht

In unserer nicht repräsentativen Umfrage vom 24.06.2025 fragten wir: „Die Fachkonferenz der Cannabiswirtschaft auf der Mary Jane fand erstmals als ‚Silent Conference‘ mit Kopfhörern statt. Haben Sie schon einmal an einer Silent Conference teilgenommen?“ und „Was gefällt Ihnen besser – eine klassische Konferenz mit Lautsprechern oder eine Silent Conference mit Kopfhörern?“

Die Umfrage wurde wie folgt beantwortet: 40 % gaben an, bereits an einer „silent conference“ teilgenommen zu haben, 60 % noch nicht. 10 % unterstützen das Lautsprecher‑Format uneingeschränkt, 70 % befürworten es tendenziell, sodass insgesamt 80 % für Konferenzen mit Lautsprechern votierten. 20 % sprachen sich ausdrücklich für Kopfhörer aus. Von den Befragten mit Silent‑Conference‑Erfahrung plädierten ausnahmslos alle für Konferenzen mit Lautsprechern.

Stimmen zum CanG

80 % der Cannabis-Konsumenten nutzen legale Quellen

30.09.2025 | Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Kirsten Kappert-Gonther hebt auf Facebook die positiven Ergebnisse des EKOCAN-Zwischenberichts hervor: Rückläufiger Konsum bei Jugendlichen, stabiler Konsum bei Erwachsenen, 80 % des Cannabis stammen aus legalen Quellen (44 % Apotheke, 35 % Eigenanbau, dazu Anbauvereinigungen). Gleichzeitig seien viele Vorschriften komplex und schwer kontrollierbar, etwa Mengenbegrenzungen oder Auflagen für Clubs. Anbauvereinigungen reichten nicht aus, um den Schwarzmarkt signifikant einzudämmen. Positiv bewertet sie die Entlastung von Polizei und Justiz. Kappert-Gonther sieht keinen dringenden Reformbedarf, plädiert aber für unbürokratische Cannabisfachgeschäfte als nächsten Schritt und kritisiert Verbotsforderungen der Gesundheitsministerin als ideologischen Kulturkampf statt faktenbasierter Politik.

 

Manthey & Kotz: Kein dringender Handlungsbedarf beim CanG -  Vereinfachungen und Harmonisierungen sind überlegenswert

Dr. Manthey: „Als vorläufiges Fazit können wir folgendes festhalten: Die vorliegenden, teils vorläufigen Erkenntnisse stellen aus unserer Sicht keinen dringenden Handlungsbedarf für eine Änderungen des KCanG dar. Jedoch ist [...] der Beitrag von Anbauvereinigungen zur Verdrängung des Schwarzmarktes marginal und sofern der Gesetzgeber hier dieses Ziel priorisieren sollte, [...] sollte überlegt werden, inwiefern die Vorgaben für die Produktion und für den Anbau von Cannabis in Anbauvereinigungen vereinfacht werden soll. Denn ohne entsprechende Korrekturen ist mittelfristig kein bedeutender Beitrag von Anbauvereinigungen zur Schwarzmarktverdrängung zu erwarten.”  

Prof. Kotz: „Zahlreiche Polizei- und Ordnungsbeamt:innen [...] monieren überdies praktische Probleme bei der Umsetzung der Regelung [Konsumverbotszonen, Anm. d. Red.]. Ein dringender Handlungsbedarf konnte dennoch bislang nicht identifiziert werden. Allerdings erscheint eine Vereinfachung der Konsumverbotsregelung sowie eine Harmonisierung der Konsumverbote von Cannabis und Nikotin [...], überlegenswert.”

Dr. Jakob Manthey, Arbeitsgruppenleiter „Substanzkonsum und Public Health“, Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung (ZIS), Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und Prof. Daniel Kotz, Arbeitsgruppenleiter „Suchtforschung und klinische Epidemiologie“, Institut für Allgemeinmedizin (ifam) und Centre for Health and Society (chs), Universitätsklinikum Düsseldorf, in der Bundespressekonferenz zur Vorstellung des ersten Zwischenberichtes zur Evaluation des Konsumcannabisgesetzes (EKOCAN).  

Cannabisclub des Monats

Schleswig-Holstein: Erster genehmigter Cannabis-Club “Elbe Weed” im Kreis Pinneberg startet Ernte

10.10.2025 | Der Cannabis-Club „Elbe Weed“ im Kreis Pinneberg (Schleswig-Holstein) soll in Kürze seine erste Ernte an Vereinsmitglieder abgeben, so berichtet shz. Die Produktion finde in einer gesicherten Kelleranlage statt, Abgabebeginn sei für November geplant.

Der Verein habe vor anderthalb Jahren den ersten Antrag gestellt, seit Juli würden die Pflanzen gedeihen. Mehmet Öztas, Mitbegründer und für den Anbau zuständig, habe bereits 100 Sorten getestet, aus denen später 30 ausgewählt werden sollen. Die Pflanzen würden unter kontrollierter Beleuchtung und Temperatur herangezogen.

Der Aufbau des Clubs sei aufwendig gewesen: Brandschutz, Diebstahlschutz, Abstände zu Schulen und Kitas, Dokumentation und Schulung eines Jugendschutzbeauftragten seien nötig gewesen. Ab November könnten maximal 500 Mitglieder ihre Portionen in einem angemieteten Geschäft in Hamburg-Sülldorf abholen.



Meldungen zu neuen Clubs

Bayern: Oberpfälzer Cannabis-Anbauverein hofft auf Durchbruch

18.09.2025 | Der Anbauverein „La Huerta“ in Hirschau (Oberpfalz) stehe trotz massiver bürokratischer Hürden kurz vor einem Durchbruch, so berichtet otv. Zwar hätten die Mitglieder bislang keine einzige Pflanze ansetzen können, doch nach anfänglichem Widerstand im Stadtrat gebe es nun wachsende Unterstützung. Der Verein habe sich zudem einem bayernweiten Dachverband mit 47 weiteren Clubs angeschlossen, um gemeinsam juristisch und politisch vorzugehen.

Während Vereinsvertreter betonten, legale Anbauprojekte könnten den Schwarzmarkt eindämmen, halte Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) dagegen, die Teil-Legalisierung sei ein Fehler gewesen und müsse im Zuge der Evaluation im Herbst korrigiert werden.

ICBC Berlin 2026: Tickets für Cannabis Anbauvereinigungen 

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Weitere Meldungen

Zoll gibt 20.000 Cannabissamen an Dutch Passion zurück

07.10.2025 | Anfang August 2025 hatte der niederländische Anbieter Dutch Passion eigenen Angaben zufolge eine Lieferung von 20.000 Cannabissamen für den deutschen Markt auf dem Weg nach Düsseldorf – bestimmt für legale Heimanbauer im Rahmen des Cannabisgesetzes. Die Sendung sei in Kaldenkirchen beschlagnahmt worden, doch Dutch Passion habe Einspruch eingelegt – mit Erfolg. Am 10. September habe die Staatsanwaltschaft Krefeld entschieden, dass die Samen rechtmäßig eingeführt worden seien und zurückgegeben werden müssten. Fünf Tage später habe das Hauptzollamt Krefeld den Beschluss bestätigt. Die Rückgabe der Lieferung verdeutliche, dass Cannabissamen in Deutschland nicht länger als Schmuggelware gälten, sondern Teil eines legalen Systems seien. Dutch Passion sprach von einem „symbolischen Moment“ und einem „Sieg für Verbraucherrechte“. Der Vorgang stärke die Rechtssicherheit für private Anbauer.



Meldungen aus den Bundesländern


NRW: Knapp 100 Cannabis-Clubs offiziell genehmigt

14.10.2025 | In Nordrhein-Westfalen sollen inzwischen 97 Anbauvereinigungen für Cannabis eine Genehmigung erhalten haben, so berichtet ntv. Wie eine dpa-Umfrage ergab, seien noch 77 weitere Anträge in Prüfung. In Köln seien bisher 25, in Düsseldorf 27, in Arnsberg 21, in Münster 13 und in Detmold 11 Vereinigungen genehmigt worden. Zurückgezogene oder abgelehnte Anträge blieben die Ausnahme.

Die Landesregierung lasse derzeit die Auswirkungen der Teillegalisierung prüfen. Erste Ergebnisse hätten gezeigt, dass der Schwarzmarkt bislang kaum zurückgegangen sei. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) habe zugleich auf einen angeblich „besorgniserregenden Anstieg von Gesundheitsstörungen“ hingewiesen.

Aktuelle Zahlen zur Genehmigung finden Sie auf Seite der BCAv.



Baden-Württemberg: Geplante Cannabis-Plantage spaltet Dorfgemeinschaft in Balingen-Ostdorf

02.10.2025 | In der Balinger Ortschaft Ostdorf sorge der geplante Anbau von Cannabis durch den Verein „Zollernalb Züchter“ für Aufsehen, so berichtet die Schwäbische. Der im Mai gegründete und im August offiziell eingetragene Verein wolle laut Medienberichten in einer umgenutzten Scheune Cannabispflanzen für den Eigenbedarf seiner Mitglieder anbauen. Ortsvorsteher Helmut Haug erklärte, die Kommune könne das Projekt nicht verhindern, da es dem geltenden Baurecht und dem Konsumcannabisgesetz entspreche. Die Mitglieder hätten offenbar alle rechtlichen und organisatorischen Vorgaben erfüllt. Dennoch habe der Ortschaftsrat nach intensiver Diskussion mit fünf zu zwei Stimmen bei vier Enthaltungen gegen die Nutzungsänderung votiert – ein „Zeichen“, wie Haug sagte.

Kritiker hätten befürchtet, der Anbau senke die Hemmschwelle für den Einstieg in den Drogenkonsum. Ortschaftsrat Martin Raff, zugleich Polizeisprecher in Reutlingen, habe auf Berichte verwiesen, wonach das Ziel der Cannabisteillegalisierung – die Eindämmung des Schwarzmarkts – bislang nicht erreicht worden sei. Befürworter hätten hingegen argumentiert, wer konsumieren wolle, könne dies ohnehin tun – legal oder illegal. Ein Ratsmitglied habe zudem auf die gesellschaftliche Akzeptanz von Alkohol verwiesen und den Vergleich gezogen: „Das Alkoholproblem in unserer Gesellschaft dürfte wohl größer als das Drogenproblem sein.“

Der Fall in Ostdorf verdeutlicht, wie emotional die Umsetzung der Teillegalisierung vor Ort verlaufen kann.



Niedersachsen: Cannabis-Clubs im Behördenstreit - Zwischen Vereinsrecht und Gartenbau

11.10.2025 | Die rechtliche Umsetzung des Cannabisgesetzes sorgt weiter für Spannungen zwischen Behörden und Anbauvereinigungen, so berichtet zdfheute. Der Cannabis Social Club (CSC) Niedersachsen (eine Anbauvereinigung mit Sitz im Landkreis Friesland) stehe laut Medienberichten kurz vor dem Aus, nachdem das zuständige Bauordnungsamt den Betrieb in einem Wohngebiet untersagt habe. Die Behörde werte den Verein demnach nicht als klassischen Verein, sondern als Gartenbaubetrieb – und damit als nicht genehmigungsfähig.

Club-Geschäftsführer Hendrik Borchers habe erklärt, man habe hohe Summen investiert und fühle sich nun „in seiner Existenz bedroht“. Gespräche mit Stadt und Landkreis hätten bislang keine Lösung gebracht. Beobachter vermuteten, dass die Kommune grundsätzlich keinen Cannabisverein in der Nachbarschaft wolle.Auch in Brandenburg gebe es laut ZDF ähnliche Schwierigkeiten. Der Verein „Oderblüten“ in Frankfurt (Oder) habe zunächst keine Genehmigung für eine Halle im Gewerbegebiet erhalten, weil er keinen Gewinn erziele. Inzwischen solle der Anbau in einem Mischgebiet stattfinden.

Fachanwältin Marie Werner, die den CSC Niedersachsen vertrete, halte die Einstufung als Gartenbaubetrieb für zu eng. Es gebe keine Werbung, keinen Publikumsverkehr und keine gewerbliche Struktur, weshalb der Club nicht von anderen Vereinen zu unterscheiden sei. Da das Konsumcannabisgesetz juristisches Neuland darstelle und keine bundeseinheitlichen Leitlinien existierten, öffneten sich laut Werner erhebliche Spielräume. Wenn die Behörden diese sachgerecht nutzten, könne vieles für eine Genehmigungsfähigkeit der Vereine sprechen. Der Fall verdeutliche, wie unterschiedlich die Auslegungspraxis in den Bundesländern derzeit ausfalle.



Hamburg-Neuengamme: Beschwerden über Cannabisgeruch

05.10.2025 | Im Hamburger Stadtteil Neuengamme gebe es laut NDR vermehrt Beschwerden über Geruchsbelästigungen durch nahegelegene Cannabis-Treibhäuser. Mehrere Anwohner hätten sich seit September beim Bezirksamt Bergedorf gemeldet und den Geruch als „unzumutbar“ bezeichnet – insbesondere bei warmem Wetter und geöffneter Lüftung der Gewächshäuser.

Nach Angaben des Bezirksamts seien vier offizielle Hinweise eingegangen. Mitarbeiter hätten die Anlage inzwischen überprüft und wollten demnächst Gespräche mit den Betreiberinnen und Betreibern des betroffenen Anbauvereins sowie den Anwohnenden führen.

Bereits im Sommer habe es eine Unterschriftenliste mit mehr als 30 Unterzeichnern gegeben, die bemängelten, der Anbau erfolge zu nah an Wohnhäusern. Im Bezirk Bergedorf seien bislang drei Cannabis-Clubs genehmigt worden, deren genaue Standorte jedoch nicht veröffentlicht würden. Ob es dort auch Beschwerden wegen Gerüchen anderer Pflanzen gab, ging aus der Meldung nicht hervor.



Bayern blockiert Cannabis-Clubs – Anbau weiterhin untersagt

29.09.2025 | Kein anderes Bundesland gehe so restriktiv gegen Cannabisclubs vor wie Bayern, so berichtet BR24. Obwohl acht Vereine offiziell genehmigt seien, dürften sie derzeit faktisch weder anbauen noch Cannabis an ihre Mitglieder ausgeben. In Buttenheim im Landkreis Bamberg habe Martin Pley, promovierter Chemiker und Vorsitzender des laut dem Bericht einzigen oberfränkischen Cannabisclubs, eine siebenjährige Anbaugenehmigung erhalten und mehrere zehntausend Euro in Sicherheitstechnik investiert. Kurz nach Beginn des Anbaus hätten jedoch die Landratsämter eingeschritten und den Betrieb wegen baurechtlicher Auflagen untersagt. Nach Auffassung des Freistaats dürften Cannabisvereine dem BR zufolge nur in eigens ausgewiesenen „baurechtlichen Sondergebieten“ produzieren – diese gebe es bislang jedoch nicht. Das bayerische Bauministerium habe die Halle lediglich für die Lagerung von Nutzhanf genehmigt. Pley habe gegen die Untersagung geklagt, die Klage aber später zurückgezogen, da das Verfahren Jahre dauern könnte. Seine bereits geernteten Cannabispflanzen müsse er vernichten. Auch andere Vereinsvorsitzende, wie Emilio Fischer aus Unterfranken, kritisierten den harten Kurs. Man habe den Eindruck, es solle gezielt ein Scheitern der Legalisierung herbeigeführt werden, um den Schwarzmarkt als Folge darzustellen.

Das bayerische Gesundheitsministerium halte dagegen, das Cannabisgesetz gefährde die innere Sicherheit, fördere den Schwarzmarkt und erhöhe den Konsum. Ministerin Judith Gerlach (CSU) bezeichnete das Gesetz als „schweren Fehler“ und „abschaffungswürdig“. Bis zum erwarteten Zwischenbericht des Bundesbauministeriums im Oktober bleibe die Situation unverändert: Cannabis sei zwar legal, dürfe in Bayern von Anbauvereinen jedoch weiterhin nicht angebaut werden. Der BR hat hierzu ein Videobeitrag auf Youtube hochgeladen.



Thüringen: Cannabis-Abgabe in Jena verzögert sich wegen Spielplatz-Streit

16.09.2025 | Die geplante Abgabe von Cannabis durch den Cannabis Social Club Jena könnte sich verzögern, da das zuständige Landesamt die Distanz zu einerSitzkugel und einem Spielgerät als zu gering einstufen würde, so berichtet MDR. Diese würden als Spielplatz gelten, weshalb die Abgabestelle nach Angaben des Amts mindestens 200 Meter entfernt liegen müsse. Die aktuelle Entfernung betrage jedoch nur 198 Meter.

Der Club habe das Amt aufgefordert, die Strecke auf 201 Meter anzupassen. Der Kommunalservice Jena stufe die Kugeln und das Gerät hingegen nicht als Spielplatz ein. Sollte das Amt zustimmen, könnte die Abgabe nach eigenen Angaben schon in der kommenden Woche beginnen.

Der Start des Clubs sei ohnehin holprig verlaufen: Die erste Ernte musste verschimmelt entsorgt werden, zudem sei der Vorstand nach mutmaßlichen finanziellen Unregelmäßigkeiten zurückgetreten.



NRW: Hohe Hürden für Cannabis-Clubs auch in Mönchengladbach

12.09.2025 | In Mönchengladbach könnten nach Angaben von Verantwortlichen rund 50 Prozent der Cannabis-Anbauvereinigungen schon bei der Gründung wieder aufgeben, da die gesetzlichen Auflagen und bürokratischen Hürden hoch seien, so berichtet die Rheinische Post. Für die Registrierung müssten Vereine häufig sechsstellige Beträge investieren, unter anderem für Anbau, Notare, Rechtsberatung und Sicherheitskonzepte, obwohl kein Gewinn erzielt werden dürfe. Lautdem Dachverband Mariana gebe es in der Stadt derzeit mindestens einen aktiven Club mit rund 200 Mitgliedern.



Berlin: Vereine kämpfen mit Bürokratie

18.09.2025 | In Berlin könnten die Cannabis-Anbauvereine nach Darstellung von Beteiligten vor großen Hürden stehen, so berichtet die taz. Vorstände kritisierten auf einer Podiumsdiskussion, dass zahlreiche Auflagen, insbesondere Abstandsregeln zu Schulen und Jugendzentren, die Anmietung geeigneter Standorte erschwerten. Die Umsetzung des 160-seitigen Gesetzes sei aufwendig und müsse ehrenamtlich erfolgen. Zudem sei der Zugang zu Cannabis über Onlineplattformen und Apotheken deutlich einfacher als über Vereine, was die Arbeit der Clubs erschwere.

Vertreter wie Klaus Lederer (Die Linke) wiesen zudem auf Widersprüche hin: Werbeverbote für Vereine, aber nicht für Telemedizin, würden die Sichtbarkeit verantwortungsbewusster Angebote erschweren. Jana Halbreiter von der Anbauvereinigung Green Leaf Society betonte, dass Bürokratie und fehlende pragmatische Lösungen das Wachstum der Vereine bremsen könnten.



Anbauvereinigungen:  Mindestens 759 Anträge deutschlandweit eingereicht, mindestens 337 bewilligt

Seit dem 1. Juli können Anbauvereinigungen in Deutschland Lizenzen für den Eigenanbau von Cannabis beantragen. Auf der Webseite des BCAv bieten wir eine kostenfreie Mustersatzung zum Download an, die in der Praxis anerkannt ist und Antragsproblemen vorbeugen soll. Zudem dokumentieren wir die aktuellen Antragszahlen der Bundesländer. Die oben angegebene Gesamtzahl der Anträge und Bewilligungen kann von der Summe der untigen Länderangaben abweichen, da die aktuellsten Zahlen aus den einzelnen Ländern teils noch nicht öffentlich sind. 

Bundesland Anträge Genehmigungen Ablehnungen Zurückgezogen Stand
Baden-Württemberg 110 26 5 7 07.10.2025
Bayern 43 8 3 15 18.09.2025
Berlin 31 11 3 5 08.08.2025
Brandenburg 33 20 4 3 07.10.2025
Bremen 7 2 0 1 08.10.2025
Hamburg 24 13 1 1 07.10.2025
Hessen 39 12 0   11.08.2025
Mecklenburg-Vorpommern 13 3 1   11.08.2025
Niedersachsen 121 68 12 1 07.10.2025
Nordrhein-Westfalen 184 93 1 16 07.10.2025
Rheinland-Pfalz 50 27 2 2 30.07.2025
Saarland 8 1 1   07.10.2025
Sachsen 32 21 0 1 07.10.2025
Sachsen-Anhalt 23 15 0 1 07.08.2025
Schleswig-Holstein 17 3 2 6 21.08.2025
Thüringen 15 6 2 0 07.10.2025
Summe 759 337 33 59  

Termine

  • 21.10.2025 - Multitalent Hanf: Von der Forschung bis zur Praxis in Straubingen, Veranstalter: TFZ
  • 09.-15.11.2025 - Agritechnica in Hannover, Veranstalter: DLG Markets GmbH
  • 21.-23.11.2025 - CaNoKo Cannabis Normal Konferenz in Berlin, Veranstalter: Deutscher Hanfverband
  • 27.-28.11.2025 - Akzept Kongress in Bielefeld, Veranstalter: akzept e.V.

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