Weitere Meldungen
Medizinalcannabis
Streeck: „Wir haben Dealer in weißen Kitteln geschaffen“
20.10.2025 | Der Sucht- und Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Hendrik Streeck (CDU), habe im Faz-Interview scharfe Kritik am aktuellen Umgang mit medizinischem Cannabis geäußert. Seit der Teillegalisierung 2024 beobachte man erheblichen Missbrauch, der Import sei um mehr als 400 Prozent gestiegen, obwohl es laut Streeck deutlich weniger relevante Erkrankungen gebe. Viele Rezepte würden ohne Arztkontakt über Onlineformulare ausgestellt, teilweise mit Rezepten aus dem Ausland – das habe mit Medizin nichts mehr zu tun.
Streeck unterstütze deshalb die geplante Gesetzesänderung, die Telemedizin bei Cannabisverschreibungen einschränken und den Versand von Cannabisblüten verbieten solle. Medizinalcannabis dürfe künftig nur nach persönlichem Arztkontakt verschrieben werden. Zudem habe Streeck angeregt, Cannabisblüten ganz aus der medizinischen Anwendung zu nehmen und Behandlungsformen auf Tropfen oder Kapseln zu beschränken.
Auch das Cannabisgesetz insgesamt halte Streeck für überarbeitungsbedürftig. Die bisherigen Regelungen hätten weder den Schwarzmarkt verdrängt noch den Jugendschutz verbessert. Mit Blick auf die CDU kündigte er an, dass das Gesetz voraussichtlich erneut aufgeschnürt werde.
Podcast-Tipp: „Wolf of Cannabis“ – Aufstieg, Risiko und Lobbyarbeit in Deutschlands junger Cannabisindustrie
Der neue 1LIVE-Podcast „Wolf of Cannabis“ beleuchtet den Aufstieg von Niklas Kouparanis, CEO der Bloomwell Group, der eine Art „Amazon des medizinischen Cannabis“ aufgebaut habe. In sieben Folgen zeichne das Format den Weg des Unternehmers vom Start-up-Gründer zu einem zentralen Akteur der Branche nach – zwischen Regulierung, Lobbyarbeit und öffentlicher Kontroverse.
Die Serie zeige, wie Kouparanis auf Telemedizin setze und sich nun mit einem Gesetzesvorhaben konfrontiert sehe, das sein Geschäftsmodell infrage stelle. Autorinnen Marlene Halser und Lea Hampel beschrieben die Medizinalcannabisbranche als „Haifischbecken“, in dem juristische Grauzonen, enorme Profitchancen und politische Machtspiele aufeinandertreffen würden.
Der Podcast in der ARD Audiothek und auf allen gängigen Plattformen (Spotify Apple, Podcast) verfügbar.
43,3 Tonnen im Quartal: Bioxyne könnte vom Boom des deutschen Medizinalcannabis-Marktes profitieren
18.10.2025 | Der deutsche Markt für medizinisches Cannabis habe im zweiten Quartal 2025 ein Rekordniveau von 43,3 Tonnen Importmenge erreicht – ein Plus von 15 % gegenüber dem Vorquartal, so berichtet wallstreet-online. Trotz der geplanten Einschränkungen bei Telemedizin und Versand zeige die Nachfrage bislang keine Schwäche. Kritiker warnten, strengere Vorgaben könnten Patientinnen und Patienten den Zugang erschweren und den Schwarzmarkt stärken.
Der australische Hersteller Bioxyne sehe darin eine Chance: Nach einem Liefervertrag über 5,6 Millionen US-Dollar in Deutschland wolle das GMP-zertifizierte Unternehmen seine Präsenz in Europa ausbauen. Mit einer monatlichen Produktionskapazität von bis zu 6.000 Kilogramm und Fokus auf pharmazeutische Qualität könne sich Bioxyne als verlässlicher Partner in einem zunehmend regulierten Umfeld positionieren.
DrAnsay startet Markenrelaunch im SoHo House Berlin
16.10.2025 | Vor dem Hintergrund der geplanten Einschränkungen für Telemedizin und Cannabisverschreibungen hat sich die E-Health-Plattform DrAnsay neu positioniert, so berichtet leadersnet. Am 8. Oktober hatte das Bundeskabinett den Gesetzentwurf zur Änderung des Medizinal-Cannabisgesetzes beschlossen, der Erstverschreibungen künftig nur noch nach persönlichem Arztkontakt und ein Versandverbot für Cannabisblüten vorsieht.
Einen Tag vor dem Kabinettsbeschluss präsentierte DrAnsay gemeinsam mit der Agentur TankTank seine neue Kampagne unter dem Motto „Einfach so gesund“. Ziel sei es, sich als Anbieter für digitale Gesundheitsdienstleistungen insgesamt zu etablieren, während Cannabis im Markenauftritt keine explizite Rolle mehr spiele.
Die Neupositionierung wurde am Mittwoch im Berliner SoHo House mit zahlreichen Prominenten gefeiert. Gründer Dr. Can Ansay betonte, man wolle künftig stärker auf Aufklärung, Information und Lifestyle-Gesundheit setzen – auch, um das Geschäftsmodell über mögliche gesetzliche Einschränkungen hinaus zukunftsfähig zu machen.
Genussmittelregulierung
BLE lehnt sechs Cannabis-Modellprojekte ab – keine Genehmigung erteilt
06.10.2025 | Wie die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung mitteilte, seien bislang sechs Cannabis-Modellprojekte abgelehnt worden, während noch kein Antrag genehmigt wurde, so berichtet KrautInvest. Insgesamt habe die Behörde 65 Forschungsanträge erhalten, darunter 34 Modellprojekte mit 59 Antragstellern. Die BLE kündigte an, Antragsteller im Rahmen einer Anhörung erneut zu Wort kommen zu lassen.
Gizeh-Chef: Cannabis sorgt für Entstigmatisierung und neue Marktchancen
Im Interview mit protabac äußerte sich Christian Hinz, Vorsitzender der Geschäftsführung der GIZEH Rauchbedarf GmbH, zur Entwicklung des Marktes und zur Rolle von Cannabis seit der Teillegalisierung. Der Trend zu E-Zigaretten und Alternativprodukten bleibe zwar zu beobachten, doch Gizeh setze weiterhin auf sein Kerngeschäft mit Blättchen, Filtern und Hülsen. Gleichzeitig habe das Unternehmen mit dem „G2Vape“ auf der Mary Jane in Berlin seinen ersten Dry-Herb-Vaporizer im Cannabis-Segment erfolgreich vorgestellt.
Zur Cannabisreform sagte Hinz, der Begriff „Legalisierung“ sei übertrieben – tatsächlich handle es sich eher um eine Entkriminalisierung. Dennoch habe diese Entwicklung zur Entstigmatisierung beigetragen und vor allem den Zugang zu medizinischem Cannabis verbessert. Für Gizeh sei das Freizeitsegment dadurch deutlich relevanter geworden. Auch intern habe das Thema eine neue Dynamik ausgelöst, da Mitarbeitende zunehmend mit Fragen und Meinungen aus ihrem Umfeld konfrontiert würden.
Grüne LAG Drogenpolitik Berlin kritisiert geplante Änderungen am MedCanG
16.10.2025 | Die LAG Drogenpolitik Berlin hat in einem Positionspapier deutliche Kritik am Kabinettsbeschluss der schwarz-roten Bundesregierung zum Änderungsentwurf des Medizinal-Cannabisgesetzes (MedCanG) geäußert. Konkret lehnt die LAG das geplante Verbot der Onlineverschreibung und des Versands von Medizinalcannabisblüten ab. Stattdessen sollten wirkungsvolle Kontrollen und ein europarechtskonformer Rechtsrahmen für die Telemedizin geschaffen werden und die Versorgung von Freizeitkonsumenten durch Modellprojekte sichergestellt werden. Das Papier, das an die Grüne Bundestagsfraktion übermittelt wurde, solle Impulse für die weitere politische Arbeit geben, auch wenn es nicht die offizielle Position der gesamten Partei Bündnis 90/Die Grünen widerspiegle. Die Arbeitsgemeinschaft kündigte an, den Reformprozess weiterhin kritisch zu begleiten und lädt Interessierte zu ihren monatlichen Sitzungen ein.
„Gras-Parcours“ sensibilisiert Hürther Schüler für Cannabisrisiken
05.10.2025 | In Hürth sollen Achtklässler künftig mit einem sogenannten „Gras-Parcours“ für die Risiken des Cannabiskonsums sensibilisiert werden, so berichtet msn. Der interaktive Lernparcours, organisiert vom Runden Tisch „Suchtprävention an weiterführenden Schulen“, wird von der Drogenhilfe Köln fachlich begleitet und soll Wissen vermitteln, Einstellungen reflektieren und zum Dialog anregen.
25 Schulklassen nehmen in diesem Jahr teil. An fünf Stationen testen die Jugendlichen ihr Wissen, absolvieren eine Hindernisstrecke mit „Rauschbrille“ und erleben eine simulierte Talkshow. Ziel sei, die Gefahren von Cannabis für Konzentration, Gedächtnis und psychische Stabilität altersgerecht zu vermitteln. Ergänzend finde am 2. Dezember ein digitaler Elternabend über Zoom statt, um auch Erziehungsberechtigte einzubinden.
Fachbereichsübergreifend
BvCW-Fachkonferenzvideo mit Keynote veröffentlicht
Im Rahmen der vom Branchenverband Cannabiswirtschaft e.V. (BvCW) organisierten Fachkonferenz auf der Mary Jane Hanfmesse sprach Prof. Dr. Wim Schwerdtner (Fachhochschule Erfurt) in der Keynote "Nachwuchskräftegewinnung in der Cannabis-Branche" über die die notwendigen Kompetenzen in der Cannabiswirtschaft. Der Vortrag schließt mit den unterschiedlichen Kooperationsformen am Beispiel der Fachhochschule Erfurt.
Internationales
Frankreichs Medizinalcannabis vor dem Durchbruch: Overseed und Cannavigia setzen auf pharmazeutische Standards und digitale Rückverfolgbarkeit
15.10.2025 | Im Zuge der bevorstehenden Integration von medizinischem Cannabis in das französische Arzneimittelrecht betonten Overseed und Cannavigia in einem Interview mit newsweed die zentrale Rolle von Rückverfolgbarkeit und Compliance. Overseed-CEO Hugues Péribère erklärte, Frankreich wolle Cannabis ausschließlich als Arzneimittel mit den höchsten pharmazeutischen Qualitätsstandards zulassen – von der Wirkstoffanalyse bis zur Distribution in Apotheken. Diese Strenge solle Vertrauen schaffen, Patientensicherheit gewährleisten und Innovation ermöglichen.
Cannavigia-CEO Timo Bongartz hob hervor, dass Frankreich anders als viele Länder von Beginn an auf pharmazeutische Standards setze – mit Extrakten statt Blüten, ärztlicher Kontrolle und digitaler Dokumentation nach EU-GMP-Richtlinien. Die Plattform Cannavigia ermögliche dabei eine lückenlose digitale Nachverfolgung jeder Produktionsstufe, von der Saat bis zum Endprodukt. Das System solle nicht nur regulatorische Sicherheit bieten, sondern auch Transparenz für Ärzte, Apotheken und Behörden schaffen.
Beide Unternehmen sehen in der Kombination aus strenger Regulierung und technologischer Infrastruktur die Grundlage für ein glaubwürdiges, skalierbares Modell. Frankreich könne damit europaweit Maßstäbe setzen. |