Weitere Meldugen
Medizinalcannabis
GKV-Reform trifft Cannabispatienten: DHV warnt vor Versorgungslücken und prüft Musterklagen
Der Deutsche Hanfverband (DHV) kritisiert in einer Pressemitteilung die im GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz verankerte Streichung von Cannabisblüten aus der Kassenerstattung als schweren Schlag für Schwerkranke. Künftig müssten Patienten, die Extrakte auf Kassenrezept erhalten wollten, zwingend einen sechsmonatigen Therapieversuch mit zugelassenen Fertigarzneimitteln (wie Sativex oder dem neuen Präparat Exilby) durchlaufen. Da Inhalationsalternativen wie Rohextrakte von den Kassenärztlichen Vereinigungen abgelehnt würden und Anbauvereine medizinische Standards nicht garantieren könnten, bliebe Betroffenen oft nur der Weg über teure Privatrezepte. Der DHV hinterfragt die politischen Hintergründe der Bevorzugung von Fertigarzneimitteln und hat angekündigt, nach dem Inkrafttreten des Gesetzes juristische Musterprozesse zur Unterstützung Betroffener zu prüfen.
Verordnung von Fertigarzneimitteln: BDCan klärt über Regeln beim Off-Label-Use auf
26.07.2026 | Laut einer Information des Bund Deutscher Cannabis-Patienten e.V. (BDCan) unterliege die Off-Label-Verordnung der Fertigarzneimittel Sativex und Canemes sowie des Präparats Exilby den Sonderregelungen für Cannabisarzneimittel nach § 31 Abs. 6 SGB V i. V. m. Abschnitt N der Arzneimittel-Richtlinie. Eine Verordnung außerhalb der Zulassung setze eine schwerwiegende Erkrankung, das Fehlen von Standardtherapien sowie eine begründete Aussicht auf Behandlungserfolg voraus. Sofern verordnende Vertragsärztinnen und Vertragsärzte über eine Qualifikation nach Anlage XI zur AM-RL verfügten, entfalle die vorherige Genehmigungspflicht der Krankenkasse. Der Verband betone jedoch, dass die Pflicht zur lückenlosen Dokumentation, Aufklärung und Wirtschaftlichkeitsprüfung davon unberührt bleibe und kein automatischer Schutz vor Regressen bestehe.
Forschungsteilnehmer gesucht: HU Berlin startet Online-Studie zu Cannabiswirkungen
Die Humboldt-Universität zu Berlin untersuche am Lehrstuhl für Sozial- und Organisationspsychologie in einer neuen Online-Studie die subjektiven Wirkungen von Cannabis auf Alltag, emotionale Reaktionen und soziale Beziehungen. Für die 20- bis 30-minütige Befragung würden volljährige Personen gesucht, die aktuell Cannabis konsumierten (mindestens einmal in den letzten 6 Monaten), jedoch keine anderen Substanzen oder Medikamente regelmäßig einnähmen. Die Erhebung laufe pseudonymisiert, erfülle strengste Datenschutzstandards und sei von der universitären Ethikkommission genehmigt worden.
Urteil des AG Bad Urach: Telemedizin-Rezept schützt Cannabis-Patienten vor Bußgeld im Straßenverkehr
27.07.2026 | Einem Beitrag der Rechtsanwältin Simone Fischer zufolge hat das Amtsgericht Bad Urach entschieden, dass die Medikamentenklausel des § 24a Abs. 4 StVG Cannabis-Patienten auch dann vor Bußgeldern und Fahrverboten schützt, wenn das Rezept über eine Online-Videosprechstunde bei einem EU-Auslandsarzt ausgestellt wurde. In dem konkreten Fall (Az.: 4 OWi 41 Js 23201/25) sei ein Migränepatient trotz hoher Blutwerte (31,7 ng/ml THC) freigesprochen worden. Das Gericht habe klargestellt, dass Patienten auf die Richtigkeit der ärztlichen Verordnung vertrauen dürften und hohe Metaboliten-Werte bei regelmäßiger Einnahme keine Ordnungswidrigkeit begründeten. Allerdings verweist die Juristin darauf, dass fahrerlaubnisrechtliche Prüfungen der Führerscheinstelle von dieser Entscheidung unberührt bleiben könnten. Hasso Suliak berichtet in einem LTO-Artikel über die Entscheidung des LG Berlin (Beschl. v. 23. 07. 2026, Az. VG 11 L 401/26), dass die Fahrerlaubnis entzogen werden darf, wenn kein Cannabisrezept vorlag und eine MPU nach Feststellung der erhöhten THC-Werte verweigert wird, auch wenn nachträglich eine ärztliche Bescheinigung hierzu vorgelegt wird.
Aurora-Tochter Safari Flower Company sichert sich dreijähriges EU-GMP-Zertifikat für Ontario-Standort
23.07.2026 | Die Safari Flower Company, eine Tochtergesellschaft von Aurora Cannabis Inc., hat laut einer Pressemitteilung die EU-GMP-Zertifizierung für ihren Standort in Ontario (Kanada) erhalten. Das dreijährige Zertifikat bestätigt die Einhaltung höchster europäischer Qualitäts- und Herstellungsstandards. Mit der Anbau- und Verarbeitungsanlage will der Mutterkonzern Aurora seine internationalen Exportkapazitäten für medizinischen Cannabis ausbauen, um die wachsende Nachfrage in Schlüsselmärkten wie Deutschland, Polen und Großbritannien zu bedienen.
Genussmittelregulierung
Erlaubnisbescheid für Anbauvereinigungen: Experte rät zur Prüfung von Behördenauflagen
23.07.2026 | Der Jurist Dr. Marcus Geschwandtner analysiert in einem KrautInvest-Gastbeitrag die Rechtmäßigkeit von Auflagen in Erlaubnisbescheiden für Anbauvereinigungen. Da bei Erfüllung der gesetzlichen Vorgaben ein Rechtsanspruch auf die Erlaubnis bestehe, seien behördliche Nebenbestimmungen nach § 13 Abs. 4 KCanG nur zulässig, wenn sie eine ansonsten notwendige Ablehnung verhindern würden. Da viele Behörden unzulässige oder zu weitgehende Auflagen erließen, habe Geschwandtner betroffenen Vereinen geraten, Bescheide umgehend zu prüfen und gegebenenfalls innerhalb eines Monats Rechtsmittel einzulegen. Andernfalls würden auch rechtswidrige Nebenbestimmungen bestandskräftig und schränkten die Handlungsfreiheit der Anbauvereinigung dauerhaft ein.
BLE: Forschungsantragsverfahren nun gebührenpflichtig
Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) gab auf ihrer Internetseite bekannt, dass Erlaubnisanträge, Änderungen sowie Im- und Exportgenehmigungen seit dem 1. Juli 2026 gebührenpflichtig sind und nach Zeitaufwand abgerechnet werden.
Industriehanf
EU-Emissionshandel soll ab 2030 dauerhaften CO₂-Abbau anerkennen: Neue Marktchancen für Nutzhanf
22.07.2026 | Laut einem Bericht von HempToday plane die EU, ab 2030 zertifizierte dauerhafte Kohlenstoffentnahmen in das EU-Emissionshandelssystem (ETS) aufzunehmen. Durch die Einbindung in den verpflichtenden EHS-Markt gemäß den Regeln des Carbon Removals Certification Framework (CRCF) erhielten Hanftechnologien wie Pflanzenkohle (Biochar) und CO₂-speichernde Baustoffe einen regulierten wirtschaftlichen Anreiz statt der bisherigen Abhängigkeit vom freiwilligen Zertifikatemarkt. Experten rieten Hanfunternehmen, ihre Prozesse in den kommenden Jahren konsequent an den EU-Zertifizierungsstandards auszurichten.
Industriehanf statt Mais: Agrarbetrieb in Greiz nutzt Hanflabyrinth zur Aufklärung
22.07.2026 | Das Agrarunternehmen Pahren Agrar Kooperation im Landkreis Greiz (Thüringen) habe nahe Zeulenroda-Triebes ein Labyrinth in einem bis zu zwei Meter hohen Nutzhanffeld wiedereröffnet, so berichtet n-tv. Laut Geschäftsführer René Kolbe gehe das Projekt bereits in seine 15. Saison und verfolge neben dem Freizeitfaktor auch den Zweck, Besucher über den Anbau und die industrielle Nutzung der Pflanze zu informieren.
3D-Druck aus Hanffasern: Französisch-libanesisches Forschungsprojekt entwickelt Leichtbau-Werkstoffe
17.07.2026 | Laut HempToday untersuchten Forschende des französischen Instituts GeM sowie der libanesischen Universitäten St. Joseph und Balamand den Einsatz von 3D-gedruckten Hanf-Verbundwerkstoffen für den Fahrzeugbau und die Industrie. Durch die Kombination von Hanfbastfasern mit landwirtschaftlichen Abfallprodukten sollten feuchtigkeitsbeständige Leichtbau-Komponenten entstehen, die zur Senkung des Kraftstoffverbrauchs und der Emissionen beitrügen. Während das Vorhaben das Verhalten der Pflanzenfasern bei Feuchtigkeit wissenschaftlich erprobe, verbleibe die Nutzhanfbranche im Libanon trotz der Legalisation von 2020 weiterhin weitgehend im Forschungs- und Pilotstadium.
Bioökonomie-Strategie NRW 2045: Online-Beteiligung zur Ausarbeitung der Aktionspläne läuft
Laut einer Ankündigung der Landesregierung Nordrhein-Westfalen können Bürgerinnen, Bürger und Fachleute vom 22. Juni bis zum 16. August 2026 an der Online-Konsultation zur „Bioökonomie-Strategie NRW“ teilnehmen. Die Erhebung basiert auf den Empfehlungen des Bioökonomie-Rates NRW und zielt darauf ab, das Land bis 2045 zu einem führenden Bioökonomie-Standort zu entwickeln. Über die Beteiligungsplattform sollen Rückmeldungen zu spezifischen Themenbereichen gesammelt werden, die anschließend direkt in die Erstellung konkreter Aktionspläne einfließen.
Fachbereichsübergreifend
Neue Wege in der EU-Drogenpolitik: Rats-Statement und EUDA-Toolkit für evidenzbasierte Ansätze
21.07.2026 | Die Europäische Union erweitert ihre Drogenstrategie um ganzheitliche, evidenzbasierte Maßnahmen jenseits reiner Strafverfolgung, so berichtet KrautInvest. Nach dem Billigen des neuen EU-Aktionsplans starten ab der zweiten Jahreshälfte 2026 mehrstaatliche Kooperationsprojekte, darunter deutsche und französische Forschungsvorhaben sowie griechische Initiativen für Drug-Checking und Konsumräume, wie BvCW-Berater Niko Krasting ausführt. „Die Möglichkeit freiwilliger Kooperationsprojekte stellt eine bedeutende Neuerung in der Europäischen Drogenpolitik dar“, so Krasting mit Verweis darauf, dass der Europäische Rat auch jenseits der reinen Strafverfolgung neue Ansätze berücksichtigen will. Parallel dazu führe die Drogenagentur EUDA schrittweise ein „European Cannabis Policy Toolkit“ ein: Dieses interaktive Dashboard solle europäischen Entscheidungsträgern vergleichende Daten und Indikatoren an die Hand geben, um die tatsächlichen Effekte progressiver Cannabis-Regulierungen gegenüber Verbotssystemen objektiv bewerten zu können.
Wechsel im Gesundheitsministerium: DHV analysiert Personalie Carsten Linnemann
24.07.2026 | Der Deutsche Hanfverband (DHV) analysiert in seinem Newsletter vom 24. Juli 2026 den Wechsel an der Sitze des Gesundheitsministeriums. Carsten Linnemann (CDU) folge als Minister auf Nina Warken, die als Chefin ins Kanzleramt wechsele. Obwohl Linnemann bisher als Gegner der Ampel-Cannabisreform aufgetreten sei, verweise der Verband auf dessen persönliche Kontakte zur Medical-Branche aus seiner Funktion als Vizepräsident des SC Paderborn (Sponsoring durch Four 20 Pharma bis Juni 2026). Ob diese Kontakte seine Haltung bei der ausstehenden MedCanG-Novelle beeinflussen werden, bleibe laut DHV abzuwarten.
Unterschiede bei Konsum- und Medizinalcannabis im Straßenverkehr: Bundesregierung bestätigt rechtliche Sonderstellung von Patienten
Auf eine Anfrage des Abgeordneten Ates Gürpinar (Die Linke) erläuterte der Staatssekretär Christoph de Vries, dass das Vorgehen der Bundespolizeibehörden nach KCanG und MedCanG getrennt geregelt sei. Im Straßenverkehr gelte zwar grundsätzlich die Obergrenze von 3,5 ng/ml THC im Blutserum, diese Ordnungswidrigkeit entfalle jedoch gemäß § 24a Abs. 4 StVG bei der nachgewiesenen, bestimmungsgemäßen Einnahme von verordnetem Medizinalcannabis.
Verschärfte Richtlinien: YouTube löscht Kanal „Legalisierungs-Vernunft“ wegen Samen-Links
In einer Mitteilung an den BvCW sowie in einem Onlineartikel berichtet Oliver Neusser über die Löschung seines YouTube-Aufklärungskanals „Legalisierungs-Vernunft“ Anfang Juli 2026. Grund seien verschärfte Plattform-Richtlinien, die Cannabissamen als illegale Waren einstufen und bereits Verweise oder Verlinkungen zu Samen-Shops mit Verwarnungen ahnden würden. Nach dem dritten Strike und einem abgelehnten Widerspruch sei der Kanal gelöscht worden; zeitgleich sei auch der Kanal des Cannabissamenhändlers Brothers Grimm Seeds betroffen gewesen. Neusser warnt die Community vor der geänderten YouTube-Praxis und kündigt an, seine Arbeit auf anderen Online-Plattformen und Blogs weiterzuführen.
Sonderausstellung zur Langen Nacht der Museen: Hanf Museum sammelt Videos zur Legalisierung
25.07.2026 | Einem Bericht von KrautInvest zufolge sammle das Hanf Museum Berlin persönliche Videobeiträge für eine Sonderausstellung im Rahmen der Langen Nacht der Museen am 29. August 2026. Bis zum 20. August 2026 könnten Betroffene, Fachkräfte und Aktivisten kurze Videoclips einreichen, die ihre Erfahrungen mit Prohibition, Stigmatisierung, Justiz oder dem Wandel seit der Teillegalisierung schilderten. Das Projekt soll die gesellschaftlichen Auswirkungen der deutschen Cannabispolitik zeitgeschichtlich dokumentieren.
Klinikaufnahmen nach Teillegalisierung gestiegen
23.07.2026 | Laut einer im Deutschen Ärzteblatt International erschienenen Zeitreihenanalyse des Forschungsprojekts EKOCAN seien die hospitalisierten Behandlungsfälle wegen cannabisbezogener Diagnosen nach der Teillegalisierung moderat angestiegen, so berichtet die Pharmazeutische Zeitung. Während der Zuwachs bei Jugendlichen vorübergehend gewesen sei, sei die Behandlungsrate bei Erwachsenen – insbesondere wegen akuter Überdosierungen (+37,1 Prozent) und Psychosen (+16,7 Prozent) – dauerhaft erhöht geblieben. Die Forschenden vermuten als mögliche Ursache den erleichterten Zugang zu starkem Medizinalcannabis. Der Psychiater Prof. Dr. Alkomiet Hasan warnte vor den Risiken eines unkontrollierten Konsums hochpotenter Sorten über Online-Rezeptportale.
Massive Zweifel an dieser Kausalität kommen von Georg Wurth vom Deutschen Hanfverband. Er gab auf X mit Verweis auf die wöchentlichen DHV-News zu bedenken, ob der Zuwachs tatsächlich an der Telemedizin liege. Da die Studie laut den Autoren selbst auf administrativen Routinedaten basiert und weder tatsächliche Konsummuster noch die genaue Herkunft des Cannabis erfasst, sei es ebenso denkbar, dass Konsumierende seit der Entkriminalisierung des Eigenbesitzes schlicht weniger Angst vor Repressionen haben und im medizinischen Notfall schneller Hilfe holen.
Internationales
Fachkräftemangel schlägt Kontrollkultur: US-Firmen lockern Cannabis-Regeln trotz Rekordwerten
21.07.2026 | Laut Quest Diagnostics steigen die Positivraten bei US-Arbeitsplatz-Drogentests auf Cannabis kontinuierlich an (Urin: 4,4 %, Haar: 15 %). Dennoch streichen laut einem Bericht des Wall Street Journal fast 50 Prozent der US-Arbeitgeber Pre-Employment-Tests auf Cannabis. Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels und der Legalisierung in zahlreichen US-Staaten werten Großkonzerne wie Amazon oder Citigroup den Freizeitkonsum außerhalb der Arbeitszeit analog zu Alkohol und konzentrieren sich primär auf die Arbeitssicherheit bei sicherheitsrelevanten Berufen.
Verwandte Branchen
Schwere Vorwürfe aus Berlin: Hendrik Streeck beklagt Zermürbungstaktik der Tabaklobby
22.07.2026 | Der Bundesdrogenbeauftragte Hendrik Streeck wirft der Tabaklobby gezielte Diskreditierungsversuche vor, so berichtet t-online. Er habe dies mit Stalking verglichen. Nach Angaben des CDU-Politikers werde er auf Veranstaltungen verfolgt und seine Gesprächspartner würden unter Druck gesetzt, um seine Positionen zu untergraben. Streeck habe Abgeordnete der schwarz-roten Koalition gemahnt, sich nicht von Lobbyinteressen leiten zu lassen, und die konsequente Umsetzung geplanter Verbote von Zusatzstoffen in Vapes gefordert. Zugleich habe er sich strikt gegen eine Legalisierung und Besteuerung von Nikotinbeuteln ausgesprochen und stattdessen deren vollständiges Verbot verlangt.